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Konſtanze vertheidigte ſich nur durch einen ſanften und geduldigen Blick. Dieſe Vertheidigung verfehlte niemals ihren Zweck, wiewohl es ihm, begreiflicherweiſe, nicht einfiel, ſeinen Willen dafür aufzugeben.
Eines ſchönen Tages wurde Fräulein Konſtanze abermals durch den Beſuch der Madame Hirſch Meier erſchreckt, die mit allem Pompe dies Mal„ ſchwarz, purpur und blau“ erſchien. Ehe die arme, junge Dame ſo viel Geiſtesgegenwart entwickeln konnte, ſich als„nicht zu Hauſe“ notificiren zu laſſen, ſtand ſie da„klein, rund und bunt,“ mitten im Geſellſchafts⸗ zimmer und entſchuldigte ſich bedeutend mehr, als nöthig war, über ihre Unart,„neulich weggegangen zu ſein.
Innerlich ſeufzte Konſtanze,„wäre ſie doch auch weggeblieben,“ aber äußerlich beobachtete ſie die lügen⸗ volle Etikette und bat„Platz zu nehmen.“
Von dem Gemengſel der Redensarten, in die ſich Madame jetzt verwickelte, verſtand Konſtanze weiter nichts, als die Worte:„daß es ihr keine Ruhe ge⸗ laſſen habe zu erfahren, ob ſie wirklich die Enkelin des großmächtigen Miniſter von Schmidt⸗Welldorf wäre.
„Allerdings, meine gute Madame,“ erklärte das Fräulein mit ernſter Würde. 1


