232
zig Mal zur Erkenntniß ſeines Unrechts gekommen ſein und dieſe Einſicht würde ihn damals zur Verſöh⸗ nung geleitet haben, als der ruſſiſch gewordene Oheim Quartus das Zeitliche geſegnet und uns ein nanthaf⸗ tes Erbtheil hinterlaſſen hatte. Nein Konſtanze— laß Dich nicht vom Schimmer des Glanzes blenden, be⸗ wahre mit kindlichem Herzen den Glauben an unſers Vaters Anſprüche, bekämpfe lieber Deinen Hang, der Dich irre leiten will und entſage mit feſtem Herzen den Truggebilden, welche einen Schatten auf den Charakter unſers Vaters werfen. Er iſt unverſöhnt geſtorben, weil er ſich von der Habſucht ſeiner Brüder verdrängt ſah.— Konſtanze ſchüttelte leiſe den Kopf. Erneſt hielt inne und ſahe ſie verwundert an.
„Nicht ganz unverſöhnt lieber Bruder, nicht ganz
ohne Reue— glaube mir—“ meinte ſie zaghaft.
„Woraus willſt Du das ſchließen?“ forſchte er, ſtreng ſich emporrichtend.
„Ich fragte ihn einſt, weshalh er Dich«Erneſt' genannt, da antwortete er mit einen Lächeln ſo ſchön, wie ich es nie wieder an ihm geſehen habe: mag er einem Erneſt gleichen!“— Der Doctor wendete ſich lachend von ihr ab und nahm ſich ein Beefſteak von der Platte, die ſein Diener eben hereingebracht hatte.
3


