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Mit dem Ausdrucke ſchmerzlicher Verzweiflung, der aber viel Theatraliſches hatte, rief er:
„Sie wollen reiſen, Fräulein Lyſanna?“
„Ja!“ antwortete das junge Mädchen lakoniſch und trat ihrer Freundin näher, die ſich den Anſchein voll⸗ kommener Ruhe und Gleichmüthigkeit gab.
„Sie haben nur das Heimweh! Sie kommen wie⸗ der! Wann kommen Sie zurück?“
„Niemals!“ war die Antwort.
„Niemals! Niemals? Wiſſen Sie, daß eine Belei⸗ digung für uns Alle und ſpeciell für Ihre Freundin darin liegt, wenn Sie reiſen und niemals wiederkommen wollen?“
Lyſanna ſtreckte ihre Hand nach Frau Emma aus und lächelte ſie lieblich freundlich an.
„Meine Freundin wird mich nicht ſo hart beurthei⸗ len, wie Sie, mein Herr,“ ſagte ſie.
„Und wenn ich es thäte, Lyſanna?“ fragte Frau Warren ſchroff, ohne die Hand zu erfaſſen, die ihr dar⸗ gereicht wurde.
Dann würde ich die Minute herbeiſehnen, die mich von hier entfernt und würde es ewig bedauern, hieher gekommen zu ſein, wo man mein Handeln verkennt,“ antwortete das junge Mädchen, tief verletzt von der Zu⸗ rückweiſung ihrer freundſchaftlichen Liebkoſung.


