Teil eines Werkes 
2. Band (1865)
Entstehung
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ſenheit widerwärtig nahe getreten und ſie ſammelte jetzt beim Tageslichte die ſchwach entglommenen Strahlen der richtigen Erkenntniß, um die Bilder zu vervollſtändigen, welche die Phantaſie ihrem Geiſte vorgeführt hatte. Sie ſtand im Begriff ihre Freundin zu bedauern, ſtatt ſie, wie

früherhin, beneidenswerth zu finden. Wohin mußte ein Leben führen, das in den Grundlagen nur Genußſucht aufwies! Wie bald ſich ſolche Freuden durch Ausartung beſudelten, hatte ſie jetzt ſchon erlebt und ſie wendete ſchaudernd den Blick von einem Schauſpiele, in dem ihr jedenfalls eine Rolle zugedacht worden war.

Durchaus nicht gerührt von dem Geſtändniß, daß Roſſian ſie liebe, vollendete ſie ihre Reiſevorbereitungen, ſchloß den Koffer, nachdem ſie ſorgfältig Alles eingepackt hatte und ſchickte ſich dann an, ſchon vollſtändig reiſefer⸗ tig angethan, in das Familienzimmer zu gehen, um, wie gewöhnlich, das Frühſtück mit ihrer Freundin dort ein⸗ zunehmen. 2

Beim Oeffnen der Thür gewahrte ſie Herrn Edmund Roſſian, der mit düſter zuſammengezogenen Augenbrauen dem Berichte der Frau Warren lauſchte.

Er blickte beim Geräuſche, welches vom Oeffnen der Thür verurſacht wurde, auf, und eilte ſo ſchnell auf Lyſanna zu, daß es ihr unmöglich wurde, den raſch ge⸗ faßten Vorſatz eines Rückzuges zu bewerkſtelligen.