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kurirt, die neue Lebensregung mit geblendeten Sinnen, zweifelnd und zagend, für einen Segen Gottes erkennt.
Giſela's Scharfblick ließ ſie bei der Prüfung ihrer Sin⸗
nesänderung in Stich. Leiſe Mahnungen der Vernunft belächelte ſie im Glauben an ihre Conſequenz. Genug ſie blieb im Dunkeln, bis eine einzige Minute den Blitzſtrahl der Erkenntniß in ihr Herz ſendete und dadurch auch den Zuſtand eines andern Menſchenherzen klar machte. Sie blieb ruhig und gefaßt. Sie blieb glücklich, denn ſie hegte durchaus keine Wünſche für die Zukunft. Jetzt aber, wo ſie des ruhigen Glückes verluſtig zu gehen fürchten mußte, jetzt drohete ihre Faſſung zu ſchwinden. Ihre Ruhe ward überhaupt von Allen gemißdeutet, die ihr in den Tagen
der Jugend nahe geſtanden hatten. Man legte ihr all⸗
gemein dieſe Ruhe als Kälte aus, nahm an, daß der Verſtand ihr Herz beeinträchtige und erklärte ſie für un⸗ fähig eine tiefe, leidenſchaftliche Zärtlichkeit zu empfinden.
Man irrte ſich jedoch! Ihr Herz war leider ſtets zu warm für die oberflächlichen Berührungen geweſen, die in der großen Welt als Liebe und Freundſchaft gelten, deshalb flüchtete es endlich unter die Herrſchaft des Ver⸗ ſtandes. Ihre Erfahrungen hatten ſie ſcheu gemacht und als ſie erſt das Alter erreichte, wo Herzensregungen vom Spott der Menge zur Ruhe verwieſen werden, da glaubte ſie für alle Zeit gegen den Zauber der Liebe geſichert zu


