Teil eines Werkes 
1. Band (1865)
Entstehung
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oder gar in Perſon eines Barbiers zu beſitzen, ſo wird die Romantik desſelben weit bedeutungsvo ller und wirk⸗ ſamer im Gewande einiger erlaubter Zuſätze, wie die Poeſie ſie liebt.

Aber ſei auch die Phantaſie noch ſo geſchäftig be⸗ müht, das, was ſchlummernd im Schooße der Vergan⸗ genheit ruhet, herauszufördern und als ſchaurige Sagen in den Mund des Volkes zu verpflanzen, das Leben der Wirklichkeit bietet in ſeiner Wahrhaftigkeit tagtäglich mehr des pſychologiſch Intereſſanten, als alle Traditionen zu ſchaffen vermögen. Die Cultur mit ihren Rieſenſchritten ſtreckt ſich allmählig auch über das Dorf. Sie rüttelt an alten Vorurtheilen, an verjährten Rechten, an lächerlichen Ueberhebungen und was dabei zu Grunde geht und was dabei glänzend erſteht, das iſt auch oftmals eine tiefer⸗ greifende Romantik, die als Thatſache doppelte Bedeu⸗ tung hat. 8

Wenden wir uns nach dieſer kurzen Einleitung dem Orte zu, welcher als der Schauplatz unſerer Schilderun⸗ gen zu betrachten iſt. Vor uns liegt ein Dorf lang geſtreckt auf dem Saume einer Erhöhung, die von der

Natur geſchaffen ſcheint den Ueberſchwemmungen des 8 Stromes ein Ziel zu ſetzen, der ſeine Wellen hier maje⸗ ſtätiſch langſam vorbeiwälzt. Wieſenflächen füllen die Nie⸗»

derungen bis zu dem ſanft geſchwungenen Abhange, an