K
.— 12—
Die aufmerkſamen Beobachter ſahen nun noch einen kleinen Knaben und dann eine ſehr graziöſe Dame der Droſchke ent⸗ ſteigen.„Wenn das die Mutter des Mädchens iſt, ſo huldige ich vorläufig der Mutter und laſſe die Blüthenknospe ſich erſt entfalten,“ bemerkte Hubert, mit Kennerblicken die ſchoͤne, 9 ebenmäßige Geſtalt der Dame muſternd.„Eine junge Mutter für dies erwachſene Töchterchen!— Es iſt ein Elend für die hübſchen Mütter, wenn ihre Töchter ihnen ſo bald den Rang ſtreitig machen. Und für uns hat es ſeine Schwierigkeiten, den Weg zwiſchen Mütter und Töchter zu finden.“
Er unterbrach ſeine frivolen Reflexionen und heftete, ver⸗ ſtummt vor Ueberraſchung, ſeine Blicke feſt an die Gruppe, die ſich jetzt drüben gebildet at
Das junge Mädchen hatte den verhüllenden Reiſeplaid abgeworfen und ſtand einige Secunden in ihrem knapp anlie⸗ genden, mit Pelz beſetzten Wintercoſtüm da, bevor ſie ſich reſolut an ihren Wagen begab und eine Caſſette von ziem⸗ licher Größe herausholte. Ein Wink bedeutete dem Knaben, der träumeriſch daſtand, daß er mit anfaſſen ſolle, und mit kurzen, feſten Schritten ging ſie neben dem Möbelwagen hin⸗ weg in's Haus hinein, während ihr Vater, vollkommen von der ariſtokratiſchen Hilfloſigkeit ſeiner Gattin in Anſpruch genommen, kaum Muße erlangte, um den Droſchkenkutſcher abzufertigen.
Im Nu war die kleine Dame wieder unten am Wagen, jedoch ohne ihren Bruder. Dem hatte ſie geheißen, ſich der Sicherheit wegen auf die Caſſette zu ſetzen. Ebenſo reſolut wie zuvor zog ſie nun einen zweiten Gegenſtand, einen Hand⸗ koffer, aus der Droſchke, ließ ihn auf die Erde gleiten, nahm Schirme aus dem Wagenfond, Plaid's nnd Fußſäcke, übergab


