„Eine heimliche Ehe— romantiſcher Unſinn! Und der ſollte von meiner platoniſch exaltirten Tante ausgehen?“
„Des Menſchen Sinn iſt wandelbar!“ ſprach die junge Frau ſehr pathetiſch.„Fragen Sie nach, ob ich nicht die Wahrheit geredet habe.“
„Und was ſoll aus dieſer lächerlichen Geſchichte werden?“
„Eine ernſthafte Novelle!“ war die Antwort. „Seit geſtern weiß der König, daß ich des Rittmeiſters Frau bin.“
Der Baron horchte hoch auf.
„Und heute wird es mein Herr Vormund erfahren!“
„Damit haben Sie jedoch wenig gewonnen, gnä⸗ digſte Frau,“ unterbrach der Baron ſie mit ſpöttiſcher Verneigung.„So viel ich weiß, ſind Ihnen die Salons der ſächſiſchen Ariſtokratie mit dieſem letzten Uebermuths⸗ ſtreich verſchloſſen!“
„Wirklich?“ fragte Gertrud, und ein Lächeln voller Uebermuth blitzte deſſen ungeachtet über ihr Geſicht.
„Glauben Sie nicht, daß ich ſcherze!“ warnte der Baron.
„Es fällt mir gar nicht ein, dies zu glauben,“ rief die junge Dame.
„Und Sie lachen darüber?“


