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Du verheiratheſt ihn mit mir und nicht mit der ſchönen Margareth?“
Ihre Fragen, ſo ernſt ſie ſein ſollten, trugen doch in der Art, wie ſie geſprochen wurden, ſo durchaus den Charakter ſchelmiſcher Kindlichkeit, daß der Domherr un⸗ willkürlich lächelte, als er antwortete:
„Ja, was ſoll ich machen, wenn unſer Trotzkopf ihn einmal für ſich haben will. Ich kann nur nicht be⸗ greifen, wie ſich eine echt griechiſche Naſe zu einer Kal⸗ mückennaſe hingezogen fühlen kann. Gott gebe nur, daß Eure Kinder nach dem Vater arten.“
Gertrud wendete ſich ſchnell zur Seite, um ihre glühende Röthe zu verbergen, aber ſie wiederholte mit heftig pochendem Herzen und im Tone der Begeiſterung: „Ja, ja, das gebe Gott!“
Es währte nicht eine halbe Stunde, ſo ſaßen die Beiden in der alten Kaleſche, die aber nicht mit dem be⸗ ſagten Ziegenbocke, ſondern mit zwei ſtattlichen Pferden beſpannt war, und fuhren ganz ſeelenvergnügt der Hei⸗ math zu. Gertrud trug neben der erlittenen Demüthi⸗ gung ein großes Gefühl mit heim, das ihren Lebenshori⸗ zont erweiterte und erhellte, obwohl ſie noch kein Ge⸗ ſtändniß von den Lippen vernommen hatte, die von einem feſten Siegel des Entſchluſſes verſchloſſen waren.
Ende des dritten Bandes.


