Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
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Güte mir vorzuleſen, was da d'rauf gekritzelt iſt; denn ich kann, ſtraf mich Gott, das Zeug nicht leſen!

Er lachte wieder, daß die Wände dröhnten, und Gertrud merkte wohl, daß ſeine Gelehrſamkeit ſehr na⸗ turwüchſig ſein mußte, da er nicht einmal leſen konnte. Sie nahm das Blatt zurück und las: 1

In der Verzweiflung meines Herzens wende ich mich an den Engel, der ſchon einmal mich der Gefahr 1 entriß. Ich entfloh damals auf den Rath, den Sie mir durch den Mund Ihres Oheims zurufen ließen, und 4

glaubte mich in Prag geſichert. Leider täuſchte ich mich. an lieferte mich aus, und ich habe durch Freundeshand

die ſchriftliche Nachricht erhalten, daß ich nach Brünn ab⸗

geführt werden ſoll. Dieſelbe Hand meldet mir heute,

daß die Preußen in Dresden eingerückt ſind, und ich

hoffte bis jetzt vergeblich in ihnen meine Befreier zu

finden.

Der Preis ihres Sieges iſt mein Unglück, wenn nicht Jemand auftritt, dieſe Sieger an den Schutz zu erinnern, der mir verſprochen wurde, und meine Gedan⸗ ken hefteten ſich ſogleich an den rettenden Engel, der ſchon früher mein Leben behütet hat. Von Ihren Lippen floh der erſte Funken, der die Feuersbrunſt anfachte, die mein Daſein jetzt zu zerſtören droht; ich mache Ihnen damit keinen Vorwurf, aber ich fordere von Ihnen Hilfe,