Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
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Eine heilige Stille herrſchte mehrere Minuten lang, nachdem die Mädchen dies laut geleſen hatten. Elvire fühlte, daß ein fieberhaftes Zittern durch Gertrud's Kör⸗ per lief, und ſie ſah, daß ihre Bruſt ſich hob, als wolle ſie mit einem tiefen Athemzuge das ſtürmiſche Klopfen ihres jungen Herzens dämpfen. Leiſe legte ſie ihren Arm um ſie, hob den leicht geſenkten Kopf zu ſich auf und fragte ſchelmiſch:Nun? Wie ſteht es jetzt mit dem Haſſe und der Verachtung?

Gertrud wendete ſich zu ihr, das große glänzende Auge gefüllt von Thränen, die roſigen Lippen in glück⸗ ſeligem Lächeln halb geöffnet. Sie antwortete nichts auf Elvirens Neckerei, weil ihre innere Bewegung zu gewal⸗ tig war. Dieſe fühlte ſich beinahe beängſtigt von der auf⸗ fallenden Gemüthsaufregung. Sie wollte, ſie mußte den erſchütternden Eindruck brechen, ſtrich deshalb neckiſch über Gertrud's Geſicht und rief:

Es iſt ein Glück, daß Gellert nicht zugegen iſt, Kleine! Ich glaube annehmen zu dürfen, daß Du Dich in der Verfaſſung befindeſt, ihm abermals drei Küße zu appliciren!

Jetzt brach der Muthwille des Fräuleins wieder

hervor.Drei? fragte ſie verächtlich mit der Hand ab⸗ wehrend.Hundert Küße hat er verdient für ſeine engel⸗