dem äußerſten Zipfel zwiſchen den Fingern haltend, als fürchte ſie ſich daran zu verbrennen.—
„Elvire, mir klopft das Herz fürchterlich!“ ſprach ſie immer noch flüſternd.„Von wem mag der Brief ſein? Weißt Du es nicht?“
„Nein! Oeffne doch das Siegel und ſieh nach der Unterſchrift!“ antwortete die junge Dame ungeduldig.
„Elvire, mir zittert es vor den Augen— ich fürchte mich!“ ſprach Gertrud beklommen.
„Ach ſo!“ ſpottete Elvire.„Ich denke, Du fürchteſt Dich nur vor„verdrießlichen Männern und vor Geſpen⸗ ſtern“? Alſo vor zugeſiegelten Briefen fürchteſt Du Dich auch?“
„Wenn es nur kein Liebesbrief iſt?“ wendete das Fräulein ſchüchtern ein. Sie ließ den Spott Elvirens in ihrer Herzensangſt ganz unbeachtet.
„Thorheit! Unſinn! Wo ſoll ein Liebesbrief her⸗ kommen,“ ſchalt Elvire und griff nach dem Briefe. Aber Gertrud brachte ihn ſchnell in Sicherheit.
„Bitte, Kleine, öffne den Brief,“ fügte ſie hinzu, als ihr Angriff abgeſchlagen war.„Aengſtige Dich nicht
ohne Noth. Wer ſollte Dir einen Liebesbrief ſchreiben?
Junker Wolf etwa? Nun, der könnte es bequemer haben, wenn er Willens wäre Dir ſein Herz zu Füßen zu legen!“ 3


