Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

209

deutendes, nicht allzukluges Fräulein von Spärkan, aus Sachſens Hauptſtadt Dresden herſtammend, verbürgte ſich heute Mittag mit ihrem Ehrenworte für einen nahe bevor⸗ ſtehenden Krieg. Es iſt möglich, daß dieſe kleine dumme Gertrud recht gehört hat, es iſt aber auch möglich, daß ſie mit ihrem Kinderverſtande Glocken läuten hörte, ohne

zu wiſſen, wo ſie hangen. So viel aber iſt einleuchtend,

daß eine Friedensperiode für die ſegensvolle Wirkſamkeit eines Königs, wie der kluge Friedrich, ungleich günſtiger i*ſt, als die des Krieges. Wir konnten aber vorausſehen, daß der Genius des Friedens nicht lange unſere vater⸗ ländiſchen Gefilde zu anmuthigen Blumenfluren erheben würde. Wir mußten eine Exploſion des verhaltenen Un⸗ muthes erwarten, womit Maria Thereſia den räuberi⸗

ſchen Eingriff ihres Todfeindes betrachtete, und wir ſahen bangen Herzens ſchon längſt eine ſchwere düſtere Gewit⸗

terwolke am Himmel ſtehen, die uns mit Beklemmung, die Staaten aber mit ſtiller Wallung und Bewegung erfüllte. Die frohen Hoffnungen, zu welchen wir uns be⸗ rechtigt glaubten, als wir das edle Culturwerk unter ſo begünſtigendem Verkehre des Geiſtes und des Herzens emporblühen ſahen, werden bald geknickt erſcheinen, wenn der Preußenkönig erſt wieder vom rohen Thatendurſte erfaßt, auf unrechtmäßige Eroberungen ausgeht. Er wird aber mit ſtrafender Hand züchtigen, weil die Kaiſerin