„Die Verbindung, von der ich Ihnen, mein theurer Freund, in Gotha mit großem Leidweſen erzählte, hat ſich unter mittelbarer Einwirkung von mir glücklich gelöſt. Sie war das Product eines blinden Inſtinktes und ſinn⸗ licher Triebe, würde alsbald mit dem geiſtigen Weſen meines Zöglings in Colliſion gekommen ſein und die moraliſche Vernichtung des zarten, ſchönen Geſchöpfes herbeigeführt haben. Soll die Verbindung zweier Men⸗ ſchen verſchiedenen Geſchlechtes der Menſchheit zum Se⸗ gen gereichen, ſo muß ſie unter thätiger Mitwirkung der höhern Seelenkräfte als Frucht des Geiſtes empfan⸗ gen und geboren werden, mit dem Gepräge der Ver⸗ nunftmäßigkeit auf der Stirn erſcheinen und die Billigung der geſetzgebenden Vernunft davon tragen. Die Intelli⸗ genz in uns, vom Urheber unſers Daſeins, den wir Gott zu nennen belieben, für den Etat unſerer Natur in der Würde eines Gerichtshofes aufgeſtellt, ſieht ſich zur Ver⸗ waltung ihres Amtes mit dem Vernunftvermögen aus⸗ geſtattet, nach deſſen Ausſprüchen ſie billigt, verwirft, losſpricht und verurtheilt, und ſich dabei nichts aufdrängen läßt, was nicht durch Gründe und Principien gerechtfer⸗ tigt wird. Wie im Reiche der Natur muß der erwärmende Sonnenſtrahl der wahren Liebe von der Höhe des Geiſtes herab in die Tiefen des Herzens dringen, um eine für's Leben ausreichende Kraft hervorzuzaubern. Die Liebe,
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