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ſcher Geſell geworden wäre. Deine glatte Lippe iſt allerdings jetzt ſtark mit Bart beſetzt und das wech⸗ ſelnde Spiel Deiner Mienen hat ſich zu einer gewiſſen Unbeweglichkeit ernüchtert; Dein ſchalkhaftes Lächeln iſt vom Ernſte der äußern Haltung geregelt und auf der hellen Stirn ſind Merkzeichen vom wechſelvollen Leben mit dem Ausdrucke ſtiller Entſchloſſenheit gepaart, zu finden. Aber Eines haſt Du bewahrt und daran eben erkannte ich Dich. Der weiche bittende Ausdruck Deiner Stimme, wenn Dein Herz ſich regt— das iſt Dir von Deiner verſchwundenen Jugend geblieben!“
Thilo nickte lebhaft.„Damit habe ich auch oft⸗ mals Löwen bezähmen müſſen, wenn ſie blutdürſtig wa⸗ ren,“ ſagte er leiſe und geheimnißvoll.„O, wenn ich einen Tag früher zurückkam, ſo wäre der unglückliche Palm nicht erſchoſſen!“
„Wirſt Du Dich aber Deiner Einſiedelei lange erfreuen können?“ fragte Oswald nach einer kleinen Pauſe, die dem Andenken an manche Märtyrer des Patriotis⸗ mus geweiht wurde, theilnahmvoll.
„Ich habe mein Verhältniß zu Napoleon gänzlich gelöſet!“ gab Thilo ruhig zur Antwort.
„Sein fürchterlicher Plan zur Weltunterjochung er⸗ weckte mir Grauen. Sein Rüſten gegen Rußland er⸗ ſcheint mir als eine Herausforderung Gottes. Ich habe gewagt, ihm dies ehrlich zu ſagen, als ich von Schwe⸗


