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ſchen fremd geworden, einſam ſeine Wege wandelnd, die ein Ziel verfolgten, welches, trotz ſeiner edeln Ten⸗ denz, dennoch im Triumphe der Selbſtſucht grün⸗ dete, mußte ihm ein Wohlwollen ſo reiner und aufrich⸗ tigenzalrt die Seele bis zur Qual erſchüttern.
Er ſchlug beide Hände vor's Geſicht und weinte! Dann ſprang er auf und rief außer ſich:
„Und Du fragſt nicht nach meiner letzten Vergan⸗ genheit, Oswald? Du fürchteſt nicht einem Vaterlands⸗ verräther in dem zu begegnen, der ſeinen Lebensunter⸗ halt bei den Unterjochern ſeines Vaterlandes ſuchen mußte? Du traueſt mir, Oswald, trotz des böſen Schei⸗ nes, der auf meinem geheimnißvollen Auftreten ruhet?“
„Ja, ich traue Dir, denn ich weiß, Du biſt ein Ettershaiden, der nach der Deviſe ſeines Wapppens nimmer wankt in der Treue für König und Vaterland!“
„Gott lohne es Dir!“ ſprach Thilo mit wieder⸗ kehrender Faſſung.„Wäre es anders mit mir, ſo ſtände ich nicht vor Dir! Halte feſt an dem Worte der Erklä⸗ rung, das ich Dir hiermit gebe: nur für perſönliche Intereſſ genug waren, um zu den Depeſchen noch mündliche Er⸗ örterungen hinzufügen zu müſſen, nur um Parteiungen im Kreiſe ſeiner nächſten Ungehörigen zu ſchlichten, nur für Befehle, für Warnungen, für Rathſchläge, für zor⸗ nige Zurechtweiſungen in ſeinem weitverzweigten Fami⸗
en, nur in Familienangelegenheiten, die wichtig
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