Druckschrift 
Die Erben von Wollun : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

die Nachzügler der zerſtörten Waffenmacht, bleiche, halb verhungerte, halb verfrorene Männergeſtalten ſtreiften als Bettler bis nach dem Städtchen hinüber.

An dieſe wendete ſich Johanna mit Fragen nach dem Hauptmann Kordall.

Todt! war die ſeelenlos apathiſche Antwort. Na⸗ türlich. Was nicht mehr da war, was fehlte, was ver⸗ geblich erwartet wurde das war todt, nach den Begrif⸗ fen derer, die im halben Wahnſinne der fürchterlichen Leiden gedachten, welche ſie in Rußlands Steppen erdul⸗ det hatten.

Cäſar glaubte nicht an ſeines Großvaters Tod. Er war unermüdlich in ſeinen Nachfragen. Täglich ſtand er vor der Thür des kleinen Hauſes, ein Stückchen Brod in der Hand, das er ſich abgeſpart hatte, und wenn er einen Offizier daherſchleichen und mit hungrigen Blicken das Stückchen Brod betrachten ſah, ſo bot er es ihm dreiſt an. Er wußte ſehr wohl, daß die Offiziere eben ſo hilflos und verhungert aus dieſer Niederlage entkom⸗ men waren, wie die Gemeinen, daß ſie ſich aber zu bet⸗ teln ſchämten. Als Lohn für ſeine Gutthat forſchte er dann nach ſeinem Großvater. Es hatte ihn Niemand ge⸗ kannt, aber dennoch wiederholten Alle mechaniſch daas niederſchlagende Wort: Todt! Unmittelbar nach dem ruſſiſchen Feldzuge entwickelte