Beſchämt trat die alte Dame jetzt zurück, als ihre Tochter Johanna aufgeregt rief:
„Verkennen Sie meine Mutter nicht, Herr Haupt⸗ mann! Verurtheilen Sie uns nicht, wenn auch Ihr em⸗ pörtes Gemüth Grund dazu findet. Wir haben aller⸗ dings viel gelitten, und der Hunger iſt ein Uebel, welches alle Menſchlichkeit tödtet.“
Der Offizier nickte zuſtimmend. Er hatte die Er⸗ fahrung ebenfalls ſchon gemacht.
„Ihre Tochter mag ausſteigen,“ ſprach die Regi⸗ ſtratorin gedämpft.„Sie mag oben in unſerm Putz⸗ ſtübchen wohnen, mag ſich mit uns einrichten, wie es gerade geht—“
„Der Himmel lohne Ihnen!“ unterbrach der Hauptmann ihre Rede. Er ergriff ihre Hand und führte ſie mehrmals dankbar an ſeinen Mund.„Sie werden der Armen hilfreich beiſtehen? Sie werden ſie pflegen? Nicht wahr, mein Vaterherz darf ruhig ſein in der Vor⸗ ausſetzung, daß der Geiſt einer liebevollen Mutter Sie beſeelen wird?“
Ganz gerührt verſprach die alte Dame Alles zu thun, was ſie vermöge, blickte aber zornig und erſchrocken in das Angeſicht des Kriegers, als er hinzufügte:
„Ich habe Todesangſt ausgeſtanden ſeit zwei Stun⸗


