Teil eines Werkes 
10. Band, Quentin Durward : 1. Theil (1824)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

224

Morgen war, wie Ludwigs argwoͤhniſches Gemuͤth geah⸗ net hatte, mehr unter ihnen vorgefallen, als der Cardinal ſeinem Gebieter berichten durfte. Obgleich er aber ſchon damals mit unendlicher Selbſtzufriedenheit Alles anhoͤrte, was der Graf ihm von der hohen Achtung des Herzogs von Burgund gegen ſeine Perſon und Talente ſagte, und obwohl er nicht ganz unverſucht blieb bei den Winken, die der Graf uͤber die Freigebigkeit ſeines Herrn, und uͤber die reichen Pfruͤnden die er in Flandern zu vergeben hatte, fallen ließ, ſo reifte doch erſt nach ſeiner Aufreitzung durch den eben erzaͤhlten Vorfall, wodurch ſeine Eitelkeit ſo grauſam verletzt war, in einem verderblichen Augenblick ſein Entſchluß, zu zeigen, daß kein Feind ſo gefaͤhrlich ſeyn kann, als ein beleidigter Freund und Vertrauter. Er bat jedoch den Grafen aufs Dringendſte, ſich fuͤr jetzt von ihm zu trennen, damit ſie nicht zuſammen geſehen wuͤrden; doch beſtimmte er ihm auf den Abend nach der Veſper eine Zuſammenkunft in der Abtei von Sanct Martin zu Tours;— und zwar in einem Tone, der dem Grafen deutlich zu erkennen gab, ſein Gebieter habe einen Vortheil erlangt, den er ſchwerlich erwarten durfte. Mittlerweile hatte Ludwig, der, obwohl er unter allen regierenden Fuͤrſten ſeiner Zeit der groͤßte Politiker war, dennoch ſehr haͤufig ganz gegen die Regeln dieſer Kunſt ſeiner Leidenſchaften den Zuͤgel ſchießen ließ, ſehr eifrig die Eberjagd verfolgt, die jetzt den anziehendſten Punke erreichte. Zufaͤllig war ein junger zweijaͤhriger Eber quer uͤber die Faͤhrte des eigentlichen Gegenſtandes der Jagd gelaufen, und hatte alle Hunde, ausgenommen zwei oder drei paar alter, eingehetzter Doggen, nebſt den meiſten