242
Rensé entfernte ſich, nachdem er einen drohenden und finſteren Blick auf Bencke geheftet.
Als Sorenza wieder mit dem Bruder allein war, wandte ſie ſich an dieſen und ſagte:
— Was beabſichtigten Sie mit der ſchändlichen Anzeige? Der anonyme Brief war von Ihnen.
— Ja, ich wollte meine verſchmähte Liebe rächen.
Er ſtand auf, trat vor Sorenza hin und fügte mit bewegter Stimme hinzu:
— Sie haben mich heute dahin gebracht, mich vor mir ſelber zu ſchämen; denn Sie haben einen Edelmuth bewieſen, welcher nicht in das Loos Ih⸗ res Bruders gefallen. Möge Gott Sie dafür be⸗ lohnen. Ich reiſe ſchon morgen, und werde Ihnen vorher die unglücklichen Beweiſe meiner Schuld über⸗ liefern. In Düſſeldorf werde ich verſuchen, zu ar⸗ beiten, daß Sie Ehre von dem bekommen, dem Sie ſo viele Güte erwieſen. Lebewohl, edle Tochter mei⸗ ner Mutter.
Bencke drückte Sorenzas Hände gerührt an ſeine Lippen und verließ den Pavillon. 3
Sorenza warf ſich auf ein Sopha nieder und rief traurig:
— O, Mutter! wenn ich heute edel gegen Dei⸗ nen Sohn gehandelt, ſo ſende mir irgend einen Troſt und eine Linderung für mein gebrochenes Herz.
Sorenza weinte. Eine halbe Stunde war unter Thränen verfloſſen, dann trocknete ſie dieſelben ab und murmelte:
— Nein, fort mit allen dieſen weichlichen Ge⸗ danken an eigene Leiden; noch iſt meine Rolle nicht
1


