Teil eines Werkes 
3. Band (1857)
Entstehung
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die Du Tochter nennſt. Stirbt ſie, ſo vernichte ich Dich erbarmungslos!

Die Thüre fiel zu. Die Majorin ſank auf ihre Knie und begrub das Geſicht in den Händen.

In ihrem Zimmer, fern von dieſer wahrhaft ent⸗ ſetzlichen Szene, lag Ulrike halb bewußtlos vor Schmerz und Schrecken in den Armen ihres tiefbe⸗ wegten Gatten. Ulriken war durch Zufall der nicht adreſſirte Brief zuerſt übergeben. Die Schreckens⸗ kunde hatte alſo mit ganzer Schwere das Herz der Tochter getroffen. Bei dem Schalle der Männer⸗ ſchritte, die ſich in verrätheriſcher Eile ihrem Zimmer näherten, fuhr die junge Frau in die Höhe. Herr Hans Wilkow öffnete die Thüre. Hilfeflehend ſtreckte ſie ihm die Arme entgegen:

Mein Vater, rief ſie in herzzerreißendem Tone,mein Vater! O Papa Haus, warum haſt Du uns verlaſſen!

Der Mann erbebte unter dieſem Schmerzenstone, unter dieſem Vorwurfe. Seine edle Natur brach ſich Bahn, er umſchlang die junge Frau, er drückte ihren fieberheißen Kopf an ſein Herz, das mächtig pochte. Mit ſo überwältigenden Gefühlen hatte er noch nie einen Menſchen geliebt wie Ulriken in dieſem Momente. Ruhig, ruhig, meine arme Tochter! bat er mit ge⸗