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In einem Anfalle von Wuth packte Herr Hans das unglückliche Weib an den Schultern und hob ſie vom Boden auf:.
„Weib, Weib,“ knirſchte er,„das iſt Dein Werk — Du— Du biſt ſeine Mörderin— Du haſt den Brief geöffnet— Du haſt das Geld herausgenom⸗ men— Du haſt den Brief mit ſeinem Petſchafte wieder geſchloſſen— willſt Du das läugnen?— Ich, ich habe es geſehen— ich habe es mit meinen eigenen Augen geſehen!“
Er ließ ſie los und wollte fort. Man hätte denken ſollen, die Dame wäre vor dieſer Anklage und nach dieſer Behandlung muthlos zuſammengeſunken. Nein. Feſt und ſtolz aber richtete ſie ſich auf und vertrat ihm den Weg.
„Was ſollen dieſe Worte bedeuten, Herr von Wilkenow?“ rief ſie in flammender Entrüſtung.„Glau⸗ ben Sie das wehrloſe Weib vernichten zu können in Ihrem ungezäͤhmten Haſſe? Nehmen Sie ſich in Acht!“
„Geh' mir aus dem Wege, Schlange,“ ſchrie Herr Hans.„Geh', damit ich nicht noch einmal meine Hände beſudeln muß!— Gehe und mag Gott Dich richten!“ Er ſchritt vorüber, wendete aber ſchnell nochmals um:„Bete für die Erhaltung der,
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