Hans Wilkow zum größten Erſtaunen ſeiner Haus⸗ genoſſen Anſtalt ſich zu beurlauben, um, wie er ſagte, verſprochener Maßen, dem Wettrennen beizuwoh⸗ nen, das in einer Gegend acht Meilen von Zeder⸗ lehne abgehalten wurde.
Rudolph, welcher wußte, wie ſehr abhold er dieſem Vergnügen, das er eine amüſante Thierquä⸗ lerei nannte, war, fürchtete eine Art Flucht in die⸗ ſem Vorſatze. Ulrike verſuchte ſchmeichelnd ſeinen Entſchluß wankend zu machen. Herr Hans ſah ſie ernſt und prüfend an. Von einer augenblicklichen Erkenntniß ihrer Nachläſſigkeit gegen ihn ergriffen, ſchlug ſie die Augen nieder, um ſie aber dann ſo⸗ gleich mit einem bittenden Ausdrucke wieder offen und ehrlich zu ihm emporzurichten, als er mit ſelt⸗ ſam bewegtem Akzente ſagte:„Die Fran Tochter wird den Papa Hans ſchwerlich vermiſſen, ſo lange der Vater und die Mutter in Zederlehne ſich befin⸗ den. Ich habe wahre Kindeszärtlichkeit und kühle Schmeichelei heute von einander unterſcheiden gelernt!“ — Er entfernte ſich ohne die Hand zu faſſen, die Ulrike reumüthig ihm entgegenhielt.
Die junge Frau ſank nach ſeiner Abreiſe in ein tiefes Nachdenken.
Am ſpäten Abend, als ſie mit dem Gatten allein


