Von dieſem Geſichtspunkte aus müſſen wir das Benehmen des Landrathes beurtheilen, wenn wir einige Wochen nach der Abreiſe des Legationsrathes bemerken, daß er ſelten mit unbewölkter Stirn das Zimmer ſeiner Gattin betrat und daß er es oft nach kurzem Verweilen haſtig und ſichtlich aufgeregt wie⸗ derverließ, wenn er die Blicke innigen Verſtändniſſes zwiſchen Franziska und Caritas zu belauſchen Gele⸗ genheit fand.
Es war nicht kalte Selbſtſucht, die ihn zu dem Verlangen trieb ungetheilter im Herzen Franziska's zu herrſchen, nein, es war ihm ein Bedürfniß dort in der Geltung zu bleiben, die er ſich erworben hatte.
Sein Sinn verdüſterte ſich unter der Erkennt⸗ niß, daß er ſeiner Gattin nicht mehr zur Erheiterung des Lebens nothwendig ſei, daß ſie die Stunden der Trennung nicht mehr bitter beklage, daß in dem Reize der Jugend, die ſich unter dem geiſtigen Hauche ihres eigenen Weſens prachtvoll zu entfalten begann, eine Erheiterung erblühte, an der er nicht eng und unumgänglich nöthig betheiligt war.
Er hatte mit edlem Herzen die traurige Ver⸗ gangenheit Franziska's umwoben und ſich dafür ver⸗ antwortlich gemacht— er hatte das alles vergeben, was ihr zur Laſt fallen konnte— er hatte dem


