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Was kümmerte es ſie, daß der Marquis faſt entſetzt von der Wirkung ihres Entzückens ſie am Kleide und am Arme feſtzuhalten ſtrebte! Was fragte ſie danach, daß er ſie bat, die Gefühle des Herrn von Schollin zu ſchonen! Sie ſtürmte hinaus, ſie flog an dem Legationsrath vorüber und erreichte das Zimmer, wo Franziska, in kaum wiedergewonnener Ruhe an des Gatten Bruſt gelehnt, von den furcht⸗ baren Stürmen, die ſie Tags über betroffen hatten, ſich zu erholen begann. Ehe irgend etwas gethan, irgend etwas vorbereitendes geſagt werden konnte, lag ſie zu den Füßen der Dame, umſchlang mit ihren Armen den Leib derſelben, rief mit unnachahmlichem Aus⸗ drucke mehrmals den Mutternamen und ſenkte dann im Taumel von Gefühlen, denen ihre Geiſtesſtärke nicht ganz gewachſen geweſen war, ihre Stirn auf Franziska's Knie.
Es war die erſte Prüfung Schollin's, aber er beſtand ſie männlich. Als ein wilder Geiſt der Ei⸗ ferſucht ſein Herz umkrallen wollte, da fiel wie ein Stern in ſeine dunkle Nacht der erſte Ausſpruch ſeiner Gattin: Es iſt ein haſſenswerther Ausdruck in dieſen Augen!“ Seine Hand legte ſich feſter um Franziska's Nacken— ſie neigten ſich vereint zu dem Mädchen nieder. 3
Ende des zweiten Bandes Druck von Kath. Gerzabek.
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