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Ihr Athem hob ſich ſchwerer aus der jugendlichen Bruſt empor, als ſie daran dachte, daß ſie nie wie⸗ der hierſtehen, daß ſie die Menſchen, welche hier heimiſch waren, nie wiederſehen, und daß ſie— ihre Seufzer wurden immer ſpezieller, wie wir ſehen, — ſich morgen von dem Manne trennen werde, deſſen Lächeln ihre Sonne, deſſen ernſter Blick ihre Richtſchnur geworden war.
Der hinzukommende Marquis ſtörte ſie in ihren Träumen, die im Begriffe waren einen traurigen Charakter anzunehmen. Er trat mit erkünſtelter Gra⸗ vität hinaus zu ihr auf den Balkon, bot ihr cheva⸗ leresk den Arm und führte ſie durch die Fenſter⸗ thür in den Salon zurück. Indem er dieſe ſehr be⸗ hutſam von allen Seiten verſchloß und verriegelte, ſprach er mit den Geberden eines ſtark Fröſtelnden:
„Es mag ein erzellenter Abend ſein, mein Kind! — Für Dich iſt das Lüftchen agreable, die Sterne brillant, der Strom in ſeinem Wellenſpiele superb. — alles magniſique— alles inexprimable— aber mein Engel, für meine Konſtitution iſt das Amuſement zu kalt— deßhalb erlaube mir, daß ich die Fenſter in den Zuſtand verſetze, wo ſie nützlich zu werden beginnen. Ich halte überhaupt offenſte⸗
hende Fenſter für ſehr überflüſſige Dinge. Wozu
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