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„Seid Ihr es, alter Rabbi?“ fragte eine Stimme von innen, während ſofort ein Fußtritt in der Kammer anzeigte, daß die Jüdin ſich noch nicht zu Bette begeben, oder wenn dies früher vielleicht geſchehen war, es doch wieder verlaſſen habe.
Die Thür wurde nun geöffnet und der würdige Vater der wachſamen Tochter trat bei ihr ein. „Nun, ich will gar nicht fragen,“ ſagte die Tochter zu ihrem, zu ſo ungewöhnlicher Zeit ſie beſuchenden Vater,„zu welchem Zwecke Du eben ausgeweſen biſt; wahrſcheinlich doch eine Sclavenangelegenheit? Aber was habe ich nur damit zu ſchaffen, daß Du mich nöthigſt, Deinetwegen ſo ſpät in die Nacht hinein noch aufzubleiben? Es iſt jetzt ſchon nahe an Morgen heran, und ich bin wirklich ſchläfrig, das kann ich wohl ſagen.“ Sn
„Ach, lübe Schudith,“ erwiderte der Vater beküm⸗
mert.„Daſch göht Alleſch ſchlöcht; wohrhaftig, Alleſch!“
„Man könnte wirklich ſo glauben, nach Deinem kläglichen Geſicht zu ſchließen. Was ängſtet Dich denn ſchon wieder, werther Vater?“ 3
„Ach, Schudith! bötrübe müch nücht müt Doinen loichtſünnigen Röden. Uech hobe Dür ßu ſogen ötwas Wüchtiges, bövor üch göhe ßu Bött.“
„Dann ſag es nur ſchnell, denn ich möchte auch ſchlafen. Was iſt es denn?
„Nun, Schudith, höre; ös üſcht daſch: Du muſcht nücht möhr ſpülen müt dem jongen Mahne.“
„Welchen jungen Mann meinſt Du denn, Vater?“ „Vochan natürlüch— Hörbört Vochan!“ 4


