Teil eines Werkes 
4. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

200

Wie ſtürmiſch ſchlug mein Herz, als ich die Blüthe der Pignolia erblickte; denn eine ſolche war es, welche von dem hängenden Zweige einer Silberpappel herab⸗ ſchimmerte, welche ſie mit ihren glänzenden Blättern zärtlich umrankt hatte! Welche überſchwengliche Wonne durchbebte mich, als ich jene zierlichen Finger nach der Blume ausgeſtreckt ſah, welche ſie behutſam pflückte und in ihrem Buſen verbarg!

Wenn es auf Erden Seligkeit giebt, ſo iſt ſie mir in jenem Augenblicke zu Theil geworden!

Wir ſchlenderten unter den einzeln daſtehenden Bäu⸗ men längs der Ufer des Fluſſes und am Rande der kleinen Gießbäche weiter. Wir gingen um das Thal herum und ſtanden bei dem Bergwaſſer, das ſchäumend die Worte zu flüſtern ſchien, welche uns beiden ſo theuer waren:Ich denke Dein!

Wirſt Du ſtets mein gedenken, Lilian?

Ja, Eduard! ewig, ewig! War der Kuß,

mit⸗welchem wir das Verſprechen beſiegelten, unheilig? Nein er galt ſowohl unten auf der Erde, als oben im Himmel für ein Gelübde.

Während wir in den ſüßen Träumen der Liebe ſchwelgten, fiel es uns nicht ein, an Trug oder Falſchheit zu glauben. Wie hätten wir ahnen ſollen, daß die Schlange ſich in unſer Paradies ſchleichen und uns ſchrecken würde?