Teil eines Werkes 
4. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

31

Die ſeltſame Erzählung des Trappers, welche durch die Heldin derſelben ſelbſt beſtätigt wurde, war nur zum Theil Schuld an den ſchrecklichen Vorſtellungen, die meiner Phantaſie jetzt vorſchwebten. Ich konnte mir

die Abſicht Stebbins nur auf eine Weiſe erklären; nämlich dadurch, daß der Nichtswürdige ſeinem tyran⸗ niſchen Herrn als Vermittler diente, wahrſcheinlich zum Zwecke ſeiner eigenen Beförderung: denn es war mir wohl bekannt, daß der Mormonen⸗Despot nur ſolche Anſprüche auf Beförderung anérkenne. Da ich das Beiſpiel der Schweſter friſch vor Augen hatte, konnte ich nicht umhin zu glauben, daß Lilian gleichfalls ge⸗ opfert werden ſolle.

Wie ſollte ich das Opfer verhindern? Wie das ſchreckliche Schickſal von ihr abwenden?

Indem ich mich bemühte, dieſe Fragen zu beant⸗

worten, wurde mir meine Ohnmacht klar.

Häüiütte es ſich nur darum gehandelt, die Karavane zu überholen, ſo würde ich keinen Grund zur Beſorgniß gehabt haben. Es mußten noch viele Tage, ja Wochen vergehen, ehe der nach Norden ziehende Theil der Ka⸗ ravane ſein Ziel erreichen konnte, und wenn meine Vermuthungen über die Abſicht Stebbins gegründet waren, lief Lilian vor ihrer Ankunft in der Mormonen⸗ ſtadt keine Gefahr. Dort innerhalb des Bereiches jenes modernen Gomorrha auf einem Altare, welcher der Verhöhnung jedes beſſeren Gefühles geweiht war, ſollte die Tugend geopfert werden dort harrte der