. 228 Lehrer und unumſchränkter Beherrſcher ihrer Gefühle, wie hat er ſeine Pflichten als ehrenhafter Mann erfüllt?——— Nun, danit, daß er meine Freund⸗ ſchaft mit Verrath an meinem Vertrauen erwiederte.
——— Er hat ſeine Macht über Gerda dazu angewendet ſie von ihren Pflichten wegzulocken und hat ſie gelehrt, mit ihrem Gewiſſen zu feilſchen. Man ſtraft denjenigen, der in der Aufwallung einen Menſchen todtſchoß, am Leben; was für eine Strafe verdient aber jener, der die Niederträchtigkeit begeht, den Einen um der Anderen Zuneigung zu beſtehlen, der Vertrauen und Sittlichkeit mordet und einen Schatten unverdienter Schande und unverdienten Hohns auf einen ehrenhaften Namen wirft? Eine ſolche Handlungsweiſe kann nur dadurch beſtraft werden, daß er ſtirbt und— ſie verſtoßen wird.
— Ich habe Dich angehört; thue Du jetzt daſ⸗ ſelbe mit mir. Du ſagſt, Gerda hätte einen fal⸗ ſchen Eid. abgelegt, als ſie Dir Treue ſchwor. Weißt Du aber auch, ob ſie es aus freiem Willen that, und was es ſie koſtete? Nun, die Aufopferung ihrer erſten warmen Liebe und alle ihre Träume von Glück!—
——— Mit einem Temperament und einer Erziehung wie Gerda's war ſie wohl im Stande dem Befehle ihres Vaters nachzukommen und ſich für ihn zu opfern? nachher fehlte es ihr nur an Kraft, würdig ihren ſchweren Beruf zu erfüllen. Sie hat in Dir nur denjenigen geſehen, welcher den
Vater zwang, auf Koſten ihres Glückes ſein gege⸗ benes Wort zu halten. Du kamſt erſt drei Wochen vor der Hochzeit an, und ohne daß Du ein einziges


