„Sie gilt für außerordentlich ſchön.“
„Wie geſagt, etwas zu dick. Im Uebrigen ken⸗ nen Sie meinen Geſchmack; ich liebe feine und edle Züge. Ich bin, was das Aeußere betrifft, Ariſtokrat.“
„Wie Schade daß Du kein von vor Deinem Namen führſt, mein guter Berglaub!“ ſagte der Gardeoffizier. Die Andern lachten.
„Jezt iſt es Zeit hineinzugehen,“ meinte Aber⸗ ney. Die Herren begaben ſich nach dem obern Amphitheater, wo ſie ihre Pläze einnahmen.
Tage ſpähte mit ſeinem Opernglas nach Lothar umher; aber er ließ ſich nicht blicken.
Die Ouvertüre wurde geſpielt. Der Vorhang ging in die Höhe, und man ſchenkte dem erſten Act möglichſt wenig Aufmertſamkeit.
In dem rechten Ochſenauge auf der erſten Reihe ſaß ein älterer Herr. Er ſtand noch im kräftigen Mannesalter. Er hatte ſich ſo gut wie möglich in die Ecke zurückgezogen, offenbar um ſehen und hören zu können ohne ſelbſt geſehen zu werden. Im lin⸗ ken Ochſenauge der erſten Reihe finden wir Lothar. Er kehrte dem Publicum den Rücken zu, ſo daß ér vom Saale aus nicht bemerkt werden konnte.
Während des erſten Zwiſchenactes äußerte einer der Herren aus Aberneys Geſellſchaft:
„Sieh da, in der erſten Reihe haben wir die Gräfin Reinſtein. Nun, Aberney, wirſt Du Deinen Gegenſtand nicht begrüßen?“
Tages Blick richtete ſich auf die erſte Reihe, wo atalie in einer Toilette ſaß die den ausgeſuchteſten ſeſchmack mit Einfachheit verband. Er verbeugte Schwartz Schuld und Unſchuld. III. 2


