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vielleicht über den Aufenthalt von Jemand Auf⸗ ſchlüſſe zu erhalten?“
„Kannten Sie zufällig eine Fräulein Smith, eine geborne Finnin?“ Nur mit einer gewaltigen An⸗ ſtrengung bemeiſterte Lothar ſeine Stimme, ſo daß ſie vollkommen ruhig war als er dieſe Worte ſagte.
Die Frauen beſizen im Allgemeinen ein eben ſo fei⸗ nes Ohr als Auge, beſonders wenn ſie Jemand aus⸗ forſchen wollen. So auch Natalie. Obſchon Lothars Geſicht ſein kaltes Gepräge behielt, erkannte ſie gleich⸗ wohl eine gewiſſe Unſicherheit in der Stimme, welche ihr ſagte daß die Perſon deren Namen ſie jezt aus⸗ ſprach eine hohe Wichtigkeit für ihn hatte. Augen⸗ blicklich war daher ihr Entſchluß gefaßt. Sie wollte ſich von der Richtigkeit ihrer Beobachtung überzeugen und ſich ſodann den Spaß machen Lothar möglichſt zu quälen. Es iſt immer gefährlich eine Frau einen ſchwachen Punkt im Herzen eines Mannes enidecken zu laſſen: er kann dann darauf rechnen daß er einen wahren Plaggeiſt in ihr bekommt.
„Ja, ich machte wirklich in Neapel die Bekannt⸗ ſchaft eines Fräuleins Smith von Finnland,“ ant⸗ wortete Natalie. Lothar wandte ſich haſtig zu ihr. „Sie war alſo zugleich mit Ihnen in Neapel?“ gung um Ruhe zu erkämpfen:
„Hatte ſie Neapel verlaſſen als Sie abreisten?“ „Sie wollte ſich am folgenden Tage weg be⸗ geben.“ 6
a. Lothars Bruſt hob ſich einige Secunden lan unruhig; darauf verſezte er mit der größten Anſtre


