Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 2. Band (1862)
Entstehung
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Ich laſſe mich nicht zwingen; noch mehr, ich will ſie nicht beantworten.

Sie gingen wieder weiter und Lothar ſagte ſcherzend:

Das finniſche Mädchen hat jezt einen Ruſſen zur Stüze. Schuldfried wollte ſeine Hand loslaſſen, aber er behielt ſie feſt, indem er in ernſtem Tone hinzufügte:Es gibt eine Macht die alle Volks⸗ ſtämme vereinigt, die nichts öon beſonderen Väater⸗ ländern weiß, ſondern die Bevölkerung der ganzen Erde zu einer einzigen macht; und dieſe Macht iſt

die Liebe. In der Liebe knieen wir Alle vor dem⸗ ſelben Gott, und ſeine Vaterarme ſtehen uns Allen offen. Alles was von ihm ausgeht iſt beſtimmt

das zu vereinigen und zu verſöhnen was Haß und Vorurtheil abgeſondert haben. Die Liebe gleicht Alles aus und veredelt Alles.

Sie waren jezt am Fuße des Hügels, und Lothar ließ ihre Hand los mit den Worten:Sie ſind wieder frei. Fühlen Sie ſich jezt glücklicher?

Ich habe mich nicht unglücklich gefühlt.

Sie ſind ein wunderliches Mädchen und rufen auf eine unerklärliche Art bald Glauben, bald Zwei⸗ fel hervor. Sie ziehen mich zu Ihnen hin und doch zwingen Sie mich in der Entfernung ſtehen zu blei⸗ ben; Sie halten die Worte auf meine Lippen ge⸗ feſſelt und doch nöthigen Sie mich zu ſprechen. So auch jezt. Ich möchte in dieſem Augenblick eine Frage an Sie ſtellen, aber ich wage es nicht, und gleichwohl enthält die Antwort auf dieſe Frage mein ganzes. Leben. 22

So fra