Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 2. Band (1862)
Entstehung
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Was willſt Du? fragte Schuldfried. Du ſollſt zur Frau hineinkommen, antwortete Annika.

Iſt Mama aufgeſtanden?

Ja wohl; ſie hat geſagt daß ſie Dir vor dem Frühſtück Etwas zu ſagen habe.

Schuldfried ging zur Mutter hinein. Es war höchſt ſelten daß ſie die Schwelle ihres abgeſchiedenen Zimmers betrat. Frau Smith hatte zwar ihrer Toch⸗ ter nicht verboten hinzugehen, aber dieß fiel Schuld⸗ fried niemals ein. Das Stübchen bildete für die Phantaſie des Mädchens einen Plaz wo finſtere und duſtere Geiſter weilten, und es kam ihr vor als ob

jeder Gegenſtand darin mit Thränen getränkt wäre. Wenn es je einmal geſchah daß Schuldfried hinein⸗ gerufen wurde, ſo überkam ſie immer ein Schauer. Dieß war Etwas wovon ſie ſich noch nicht hatte be⸗

freien können. Als daher Annika ſagte daß ſie hinein⸗

kommen ſolle, machte Schuldfried ein ganz unglück⸗ liches Geſicht.

Frau Smiths Zimmer lag rechts von dem kleinen Saal, welcher das erſte( kam. Links lag das ſogenannte Arbeitszimmer. Dieſes war groß, hell und hatte vier Fenſter. Drin ſtand ein Elavier, ein ſchöner Bücherſchrank, eine Laute, ein Zeichnungsſtänder und einige kleine Sophas mit ihren Arbeitstiſchen. Die Fenſter waren mit Blu⸗

mentöpfen angefüllt und das Ganze hatte etwas höchſt Anheimelndes, zumal da man eine ausgezeich⸗ net ſchöne Ausſicht darin genoß. Der Saal war

kleiner und düſterer, weil das dichte Laubwerk der

lach bildete in das man