Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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„Aha? er iſt jezt daheim,“ murmelte der Doctor, ging dann ins Nebenzimmer, vertauſchte ſeinen Schlaf⸗ rock gegen einen ſchwarzen Frack, ordnete ſeine Hals⸗ krauſe und ſein Haar. Als dieß geſchehen war, be⸗ gab er ſich zu Lothar hinauf, traf ihn aber nicht im Salon. Der Bediente meldete ihm, der Baron habe ſich in ſein Cabinet eingeſchloſſen.

„Hem, ſollte er bereits eine Riederlage erlitten haben?“ dachte Wagner;„das iſt nicht wohl mög⸗

lich. Das Mädchen iſt zu einſam und er zu ſchön,

als daß er nicht einen vortheilhaften Eindruck auf

ſie machen ſollte. Es wäre dumm wenn mein ge⸗

ſchickt ausgedachter Plan durch einen Genieſtreich des Zufalls vernichtet würde.“

Weiter kam der Doctor nicht in ei ſtillen Monolog, während deſſen er am Fenſter ſtand und hinausſah, als Lothar zu ihm heraustrat.

„Ach, ſind Sie's Doctor?“ rief er;„aber warum iſt es hier finſter? Sollten Sie zufällig eine Vor⸗ liebe dafür haben in der Dämmerung zu ſchwärmen?“

Es war etwas Seltenes Lothar ſcherzen zu hö⸗ ren, und der Doctor zog daraus den ganz richtigen Schluß daß er beſonders aufgeräumt ſei.

„Ich bin aus der Dämmerung herausgewachſen,“ antwortete Wagner.

Lothar und der Doctor ſprachen immer franzöſiſch

mit einander.

„In dieſem Fall wundert es mich nicht daß Sie

nicht beleuchten ließen.“

„Soll ich klingeln?“ „Ja. Sie erſparen mir dadurch eine Mühe.

um aufrichtig zu ſein, ſo bin ich müde.“ Lothar