Teil eines Werkes 
Schuld und Unschuld : Roman : 1. Band (1862)
Entstehung
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„Das iſt wahr. Sie müſſen indeſſen eine Mah⸗ nung um den Pacht ergehen laſſen und fragen wann ſie ihn bezahlen könne.“ 2

„Wollen ber Herr Doctor daß ich eine Zahlungs⸗

friſt beſtimmen ſoll?“*

3 Wagner beſann ſich eine Weile. Er berechnete

gleichſam was geſchehen könnte, und welcher Augen⸗

blick der paſſendſte wäre um Frau Smith ins Ge⸗

dränge zu bringen. Endlich ſagte er:

3„O nein, Sie fahren morgen hin, mahnen höf⸗ lich und erſuchen die Dame ſelbſt zu ſagen wann ſie

ihre Schuld bezahlen könne. Zugleich können Sie

doran erinnern doß die Zeit zur Verlängerung des

Contractes ſchnell hetagrücke.“

Der Doctor verabſchiedete den Verwalter der unter demüthigen Bücklingen abzog. Als er fort war, klingelte der Doctor, und nun öffnete ſich eine kleine Tapetenthüre neben einem Bücherſchrank. Ein etwas älterer Mann als der Doctor, mit magerem und widerwärtigem Geſicht, kam zum Vorſchein. Er war ganz ſchwarz gekleidet und ging gebeugt⸗

„Was Neues aus Abo?“ fragte Wagner ohne

ſich umzuwenden. Er wußte aus dem Geräuſche des

Thürſchloſſes daß der magere Herr ſich im Zimmer

efand. Der Doctor ſaß ſo daß er dem Eintreten⸗

den den Rücken zukehrte. Dieſer war lautlos vor⸗

angeſchritten und ſtand hinter Wagners Stuhl, als

er antwortete: 6 „Sie haben heute Abo verlaſſen und ſind unter⸗ wegs hieher.“ 5 „So! Und die Correſpondenz? „Iſt abgefangen.“