Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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Gurli's Antlitz war ernſt, beinahe ſtreng. Wel⸗ ches auch die Gedanken ſeyn mochten, die ihr durch den Kopf gingen; jedenfalls ſchienen ſie nicht bei den vergangenen Tagen und bei der Zeit zu weilen, da ſie und Allon ſo oft an demſelben Orte, um dieſelbe Ausſicht zu bewundern, geſtanden waren. Jeder Zug in ſeinem Angeſicht hatte damals Zeugniß davon ge⸗ gegeben, wie eingenommen er für ihre Perſon, und nicht für den Reichthum war, in deſſen Beſitz er nun⸗ mehr mit ſo großer Sehnſucht zu kommen trachtete.

Nein, Gurli warf nicht einen einzigen Blick rück⸗ wärts, hatte nicht einen einzigen Seufzer für die Träume, welche entflohen waren, ohne ſich zu ver⸗ wirklichen. Die Augen ihrer Seele waren auf die Zukunft gerichtet. Während ſie mechaniſch auf jenen Strand hinausſchaute, erforſchte ſie ihr Inneres, ob der Schritt, welchen ſie zu thun im Begriff ſtand, wirklich zu all dem Unglück, welches Walter prophe⸗ zeit hatte, führen würde.

Sie ermaß gleichſam die Tiefe des Abgrunds, in welchen ſie möglicher Weiſe ſtürzen konnte, und die Kraft ihres eigenen Charakters, um ſich aus demſel⸗ ben, wenn es ſo weit käme, herauszuarbeiten. In der Tiefe des Leidens liegen zu bleiben und ſich neben den Ruinen ihres zertrümmerten Glücks zu begraben. Dieß war Etwas, wofür Gurli, ſoweit ſie ſich kannte, nicht geſchaffen war.

In dem Augenblick, als das Geräuſch von Al⸗ lons Schritten ihr Ohr erreichte, fühlte ſie, daß, wenn dieſer Mann, welcher noch vor ganz kurzer Zeit der Sclave ſeiner leidenſchaftlichen Liebe geweſen war, ſich durch die Macht des Einfluſſes in ihren Tyrannen verwandelte, ſie doch niemals zu ſeinem Opfer ſich hergeben würde.

Schwartz, Der Rechte. IMI. 6