2²⁵
und da Allon keine Antwort auf ſeine Standrede erhielt, fuhr er fort:
„Obwohl Du das, was vorgffallen iſt, als Etwas zu betrachten ſcheinſt, womit ich Nichts zu thun habe, ſo wünſche ich doch, daß Du nicht mit Rückſicht auf meine Perſon— ich verlange nichts Ungereimtes— ſondern um des Geſchwätzes willen den Inſpektor bis zum Herbſt hier bleiben läſſeſt. Ich habe ihm ver⸗ ſprochen, dieß bei dir auszuwirken, und Du kannſt ja aus Achtung vor dem Einzigen, was wir gemeinſam beſitzen, unſerem Namen, ſchon zugeben, daß ich nicht wortbrüchig erſcheine.“
„Er hat ſich wohl bei dir beklagt?“ fragte Gurli.
„Ja, er tonnte nicht begreifen, daß wir Frau und Mann ſind, anſtatt Mann und Frau. Er hat es für ausgemacht angenommen, daß der Herr in einem Hauſe etwas mehr zu ſagen haben muß, als eine Frau, und ſich darum an mich gewandt, um Schußz gegen die Ungerechtigkeit einer unverſtändigen Frau zu ſuchen.“
„Aber dießmal ſoll er erfahren, daß über ihn und ſeine Stelle Niemand anders zu befehlen hat, als ich!“ brach Gurli los.
„Gurli,“ ſiel Allon gleichfalls heftig ein,„ich werde es dir niemals vergeben, wenn Du dir erlaubſt, deines Mannes Wort umzuſtoßen. Willſt Du wirklich laut erklären, daß ich weiter nichts bin, als ein Schild, welchen Du dir für zwanzigtauſend Reichsthaler erkauft haſt? In ſolchem Fall ſind deine ſtolzen Worte von den Opfern, deren Du fähig ſeyeſt, nicht einmal ein
Aufpuß, mit welchem Du deine wirkliche Denkart be⸗ mänteln willſt, ſondern nur Seifenblaſen, welche in dem Augenblick, da ſie entſtanden, auch wieder in Nichts zerfließen.“


