Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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ihre Reiſegefährtin, eine Frau von etlichen dreißig Jahren:

Beeile Dich, Eliſabeth, wir kommen ſehr ſpät, der Gottesdienſt hat bereits angefangen.

Eliſabeth Stewart war ſchnell an Gurli Falken⸗ ſterns Seite, und beide gingen in die Kirche hinein.

Gurli ſah weder zur Rechten noch zur Einken. Sie ſchritt gerade auf die Bank zu, welche für die Bewohner von Birgersborg beſtimmt war.

Während die Pſalmen geſungen und der ganze Altardienſt verrichtet wurde, ſaß Gurli auf ihrer Bank niedergebeugt, als ob ſie in Gebet verſunken wäre.

Als von der Kanzel die Worte ertönten:Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes, hob ſie den Kopf wieder empor und heftete den Blick auf den, welcher die heilige Schrift verdolmetſchen ſollte.

Die Predigt war einfach und warm.

Von Neuem erbrauste die Orgel. Abermals beugte die junge Frau auf ihrer Bank ſich tief zur Erde. Der Segen wurde vom Altar aus über die eti geſprochen, und der Gottesdienſt war zu FEnde.

Die Kirchenbeſucher entfernten ſich, aber noch immer verharrte Gurli in derſelben demüthigen und betenden Haltung.

Endlich richtete ſie ſich auf. Ihr Angeſicht war von Thränen benetzt.

Komm, laß uns gehen! ſagte ſie, zu Eliſabeth gewandt, und drückte ihr die Hand.

Es waren acht Monate ſeit Falkenſterns Tod verfloſſen, und dieſe ganze Zeit hatte Gurli im Aus⸗ lande zugebracht. Am Tage nach der Eröffnung des Teſtaments