Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

248

Und nun, da Du ein Vergnügen daran Undeſt

Dir die Wahrheit zu ſagen, wird Dir dieß gleichfalls nicht verdrießlich. Ein ſchöner Zug, Gurli, welcher uns in unſerer gegenſeitigen Achtung erhöhen

Gurli drehte mit einer ungeduldigen Bewegung ihren Hut in der Hand hin und her und wandte ſich dann zu Stephan mit den Worten;

Die Erinnerungen der Kindheit haben dich bit⸗ ter und unverſöhnlich gegen mich gemacht.

Nein, man iſt nicht bitter und unverſöhnlich gegen eine hübſche Couſine von neunzehn Jahren, erwiederte Stephan artig.Man erinnert ſich blos deſſen, was einſt vorgefallen iſt, und vergißt es nie⸗ mals.

Niemols! wiederholte Gurli.

Stephans Angeſicht veränderte ſich und wurde ernſt. Er heftete ſeine Augen auf Gurli und ſagte:

Gurli, ich vergeſſe niemals meinen früheren Aufenthalt zu Sie Dein Hohn vermochte damals auf mein Thun und Treiben keine Wirkung zu üben, ſo unauslöſchlich auch der Eindruck davon geblieben iſt. Ich fuhr fort, mir Kenntniſſe zu er⸗ werben, während ich alles Andere bei Seite ſetzte. Du machteſt mich ganz unbarmherzig zum Gegenſtand deiner Spöttereien. Ich wußte ſchon damals, daß der Tag kommen würde, wo ich im Stande wäre, Dir zu beweiſen, daß Alles, was Du an einem Mann ſo hoch ſchätzeſt, untergeordnete Dinge wären. Ich wollte jedoch um einiger Lappalien willen nicht das Wichtigſte aufopfern und ließ dich darum mich aus⸗ lachen, bis ich meine Univerſitätsſtudien ehrenvoll be⸗ endigt hätte und bei mir ſelbſt zu der Einſicht ge⸗