Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

246

Ungeachtet Du rreiteſt, ſchwimmſt, kutſchirſt, Schlittſchuh läufſt, ſiſcheſt und jagſt, kurz Alles nur nicht weiblich biſt, ſo würdeſt Du doch nicht begreifen können, wie man füͤr etwas Anderes, als den kleinen blinden Knaben ſchwärmen kann. Du wirſt ſomit lächeln, wenn ich Dir ſage, daß die Gottheit, vor welcher ich die Kniee beuge, die Göttin der Wiſſen⸗ ſchaft iſt. Es entſtand eine Pauſe.

Gurli lachte nicht. Sie ſchwieg ſtill und ſchaute auf den See hinaus.

Stephan trillerte eine Volksweiſe.

Welche Lebensbahn gedenkſt Du zu wählen? fragte endlich Gurli, ohne aufzuſchauen.

Ich beabſichtige in den Dienſt einer Frau zu treten, welche, als ich noch ein Kind war, ſehr un⸗ freundlich gegen mich geweſen iſt, und an welcher ich dadurch Rache zu nehmen im Sinn habe, daß ich über ihr Intereſſe wache.

Gurli ſah ihn an.

Merke wohl, Gurli, ich ſagte einer Frau, nicht eines Kindes. Es iſt alſo nicht in deinem Dienſte.

Ich habe gar keine Luſt, gelehrte Männer mir zu Dienern zu beſtellen, verſicherte Gurli.

Du machſt aus der Noth eine Tugend, denn die Gelehrſamkeit gibt ſich niemals zur Sclaverei her.

Mag ſeyn; aber ich habe den Namen der Frau noch nicht gehört, welcher Du dein Leben zu weihen gedenkſt.

Sie heißt Gerechtigkeit.

Du gehſt alſo darauf aus, Richter zu werden?

Ja, uber Andere, nicht über mich ſelbſt.

Wieder entſtand eine Pauſe.