Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
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welche Diejenigen kennzeichnet, die durch beſtändige Leibesübungen ſich Gewalt über ihre Muskeln erwor⸗ ben haben.

Sie hatte Nichts auffallend Edles oder Stolzes in ihrem Weſen, ſondern eher etwas von kindlichem Trotz und kindlicher Verwegenheit.

Unbekümmert darum, welchen Eindruck ihr Wort oder ihr Benehmen auf Andere machte, legte ſie ſich keinen ſonderlichen Zwang auf. Sie ſchien für aus⸗ gemacht anzunehmen, daß Alles, was ſie vornahm und that, ihr auch geſtattet ſey. Dieß ſpiegelte ſich auch in ihrem ganzen Weſen ab.

Gurli's Angeſicht ſtand damit in vollkommener Harmonie. Es war unregelmäßig und doch ungewöhn⸗ lich ſchön. Die Haare, hell und kraus, legten ſich in kurze Locken, welche ſich über dem Scheitel ringelten und hinter den Ohren auf den Hals niederfielen; die Stirne war hoch und voll; des Auge bläulichgrau, in allen möglichen Farben ſchimmernd, je nach den Empfindungen, die ſie anwandelten; die etwas ſtumpfe Naſe und der mehr große als kleine Mund hatten einen Ausdruck von Uebermuth, welcher jedoch beſtän⸗ apn einem ſchelmiſchen Lächeln zurückgedrängt wurde.

Der Charakter in dieſem Angeſicht hatte etwas Räthſelhaftes, und dieß trug dazu bei, daß es zugleich feſſelte und intereſſirte.

Der junge Mann betrachtete ſie eine lange Weile mit einem eigenthümlichen Ausdruck von Theilnahme, als ob er in dieſem unbewachten Augenblick in ihrer Seele zu leſen ſuchte; aber ohne Zweifel fand er dieß gi und ging darum mit den Worten auf ie zu:

Ein ſchöner Morgen, Gurli.