242
Als ſie von da heimkehrte, nahm ſie den Weg durch den Park und ging dann hinab nach dem Seeufer.
Das junge Mädchen nahm den Hut ab und ließ ſich einen Augenblick auf denſelben Stein nieder, auf welchem ſie an dem Abend, da Allon vor zwei Jahren ſie fragte, ob ſie ihm gut ſey, geſeſſen war.
Der Morgenwind kräuſelte gelinde die klare Fläche des See's, ſpielte mit Gurli's Haaren, fuhr liebkoſend über ihre Wangen und küßte die Blumen, welche auf ihren Stielen nickten.
Ein Ausdruck von Unruhe weilte auf ihrer be⸗ weglichen Miene. Es ſah aus, als ob ſie heute den Frieden nicht gefunden hätte, der ſonſt immer an ihrer Mutter Grab über ſie gekommen war.
Als Gurli auf dem Steine Platz nahm, bemerkte ſie nicht, daß eine Strecke davon, am Fuß der großen Eiche, ein junger Mann lag.
Aber wenn derſelbe auch ihrem Blick entging, ſo ſah er ſie doch ganz wohl.
In dem Momente, da Gurli ſich niederſetzte, hatte er ſich erhoben. An den Stamm der Eiche ge⸗ lehnt, betrachtete er ſie, und wir benützen zugleich dieſe Gelegenheit, um einige Worte über ihr Aeußeres zu
ſagen.
Gurli war nicht ſehr groß, von ſchlankem, aber dabei kräftigem Körperbau. Die hochgewölbte Bruſt, die feſten und runden Arme, das blühende Kolorit ihres Angeſichtes, Alles gab eine gute Geſundheit und ſtarke Nerven zu erkennen.
Sie hatte keine königliche Haltung; ebenſo wenig etwas von der Grazie einer Sylphide, ſondern einen Anſtrich von Nachläſſigkeit und Muthwillen. Sie be⸗ wegte ſich mit jener Leichtigkeit und Behendigkeit,


