53
Abends; aber Falkenſtern verharrte noch immer auf ſeinem Platze.
Plötzlich wurde ſeine Aufmerkſamkeit von Etwas angezogen, das zwiſchen den Bäumen in der Allee zur Linken hindurchſchimmerte. Er betrachtete den Gegenſtand mit prüfendem Blick und fand, daß es eine Frauengeſtalt war, welche mit leichtem Schritt nach dem See hinabging.
„Anna,“ murmelte Falkenſtern, und erhob ſich raſch; worauf er in Eile von der Terraſſe aus den Weg nach der Allee zur Rechten einſchlug, um auf dieſe Art mit der Nachtwandlerin am See zuſammen⸗ zutreffen.
Auf dem Platze vor dem Pavillon angekommen, ſah er ſie auf der kleinen, über das Waſſer hinaus⸗ gebauten Brücke ſtehen. Anna's eine Hand ruhte auf dem Geländer. Das Geſicht war von Falkenſtern abgewandt, ſo daß er deren Züge nicht unterſcheiden konnte; aber niemals war ihm ihre Geſtalt ſo plaſtiſch ſchön vorgekommen, wie er ſie jetzt ſah, da dieſelbe ic der noch am Himmel zögernden Abendröthe abhob.
Falkenſtern ging vorwärts und war hart in ihrer Nähe, ehe ſie ſich umdrehte. ls ſie ſeiner gewahr wurde, ſchien ſie etwas überraſcht, und Bengt glaubte, einen Schatten des ſ rigens über das ruhige Antlitz fliegen zu ehen.
„Ein herrlicher Abend,“ bemerkte Anna, ohne mit einem Wort ihre Ueberraſchung zu verrathen. „Ja, gewiß,“ erwiederte Falkenſtern und jetze ſich auf eine der Bänke, welche auf der Brücke ſtan⸗ den.„Die Luft iſt ſo mild, daß man ſich nach de
Süden verſetzt glauben könnte.“


