Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26

Ees ſchien, als ob er gegenüber von ihr eine gründliche Abneigung und zugleich eine grenzenloſe Hingebung empfände. Wandte ſie ſich an ihn, um Etwas zu erhalten, deſſen ſie auf andere Weiſe nicht theilhaftig werden konnte, ſo hätte er Leib und Leben gewagt, um ihr das Gewünſchte zu verſchaffen. Alles was ihr Wohlgefallen erregte, mochten es nun Blumen oder irgend welche Annehmlichkeiten und Verſchöne⸗ rungsmittel des Lebens ſein, das beſorgte er für ſie und konnte, um ihr die geringſte und unbedeutendſte Ueberraſchung zu bereiten, ſich unglaublichen Mühen und Anſtrengungen unterwerfen.

Und dennoch war gerade er der böſe Geiſt, welcher Falkenſterns Eiferſucht anblies, deſſen Zweifel an der Zuneigung ſeiner Frau weckte und der armen Frau jene häusliche Hölle ſchuf.

Bei dem Tode von Madame Falkenſtern legte Walter faſt ebenſo tiefe Trauer an den Tag, wie ihr Mann ſelbſt, und umfaßte hernach die überlebenden Kinder mit einer leidenſchaftlichen Zärtlichkeit. Der Tod entriß ihm jedoch eines nach dem andern, und in den erſten Monaten nach dem Hinſcheiden des letzten Kindes war Walter umhergegangen, als hätte er den Verſtand verloren.

So viel von dem Mulatten, welcher in unſerer Erzählung eine nicht unbedeutende Rolle ſpielen wird. Nun zu Tante Katharina. 2

Sie war eine Couſine von Bengts Vater. Kaum ſechszehn Jahre alt, verheirathete ſie ſich mit einem armen Landprediger und verlebte an ſeiner Seite ein glückliches, thätiges und ſtilles Leben. In einem Alter von etlichen dreißig Jahren wurde ſie Wittwe, und da ſie von ihrem Manne nichts als Schulden erbte, ſo ſuchte und erhielt ſie auch einen Platz bei einer reichen