Teil eines Werkes 
Der Rechte : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

ſehr geneigt, ſich gnädig gegen alle, welche mit ihr in Berührung kamen, zu zeigen.

Ihr Gruß gegenüber von Tante Jatharina war deßhalb auch ungemein herablaſſend. Sie ſagte der Alten allerdings eine ganze Menge verbindlicher Sachen über die vielen Beſchwerden, welche ſie ihr verurſachen würden; aber dieß that ſie in einem Ton, als ob ſie in ihrem Innern dächte, Tante Katharina müſſe ſich davon ſehr geſchmeichelt fühlen.

Mathilde Braun ſah müde aus, reichte Katharina freundlich die Hand und äußerte den Wunſch, ſich ſogleich in ihre Zimmer zu begeben, um nach der be⸗ und langen Reiſe ein wenig der Ruhe zu pflegen.

Anna Falkenſtern grüßte heiter und erklärte lachend, ſie und ihre beiden Kinder mit einander würden ſicher⸗ lich die beſtehende Hausordnung völlig umkehren:

eine Weiſſagung, welche Tante Katharina, ihrer Miene

nach zu urtheilen, für ganz wahrſcheinlich erachtete. Anna drückte hierauf, gleich ihrer Schwägerin, das Verlangen aus, ſich in ihre Zimmer zurückzu⸗ ziehen, da ihre Kinder müde und ſchläfrig wären, nachdem man am Morgen vier volle Meilen zurück⸗ gelegt hätte. Diegnädige Frau ſah über das voreilige We⸗ ſen ihrer Schweſter und Schwägerin ungemein miß⸗ vergnügt aus und bemerkte, man ſollte ſich doch wohl vorher Zeit nehmen zu grüßen, ehe man über Müdig⸗ keit zu klagen und nach ſeinen Zimmern zu kreiſchen anin ante Katharina unterbrach jedoch die moraliſchen Vorlefungen dadurch, daß ſie Mathilde, Anna und den Kinder nach der Wohnung im obern Stockwerk ührte.