Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
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Sie ſind mir alſo nicht böſe?

Ihnen böſe? Unmöglich! Bei Ihnen findet ſich ja nur Wahrheit und Unſchuld; dieſe beiden Eigenſchaften wecken nicht den Zorn. Sollte ich Ih⸗ nen darum grollen, daß Sie mich nicht lieben? Ach! gnädige Frau, Sie können Nichts dafür, wenn das Schickſal Ereigniſſe geſchaffen hat, welche von ſolcher Natur ſind, daß dieſelben Ihre Gefühle mir ent⸗ fremdeten. Unrecht und unedel würde ich aber als Mann handeln, wenn ich, ſeitdem Sie mir dieß ge⸗ ſagt haben, dennoch von meiner Liebe redete. Wie unglücklich ich auch ſein mag, ſo würde dadurch, daß ich Ihnen das Leben mit Klagen verbitterte, mein Unglück nicht vermindert. Gewänne ich dadurch in Wirklichkeit etwas Anderes, als die Möglichkeit, Ihr Mitleid zu erwecken? Ich ſchätze Ihre Ach⸗ tung höher, und eben dayum ziehe ich mich aus Ihrer Nähe zurück.

Wollen Sie nicht lieber bleiben und Gabriella's Freund ſein?

Ihr Freund? Ja, wenn Land und Meer zwi⸗ ſchen uns liegen. Ihr Freund, hier in der Nähe? Nein! Der Mann, welcher zu der Frau, die er von ganzem Herzen liebt, ſagen wollte: Laß mich dein Freund ſein, beginge einen wirklichen Betrug, denn es wäre ein Gelübde, das er für die Länge nicht halten könnte.

Wenn dieſer Mann aber erfährt, daß diejenige, die er lieb hat, einen Andern liebt, wird er nicht als Freund ihr dienen und ihr Glück befördern wollen?

Wenn ihr Gluͤck es erheiſcht, wird er auch das