Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 2. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

147

hinauf und überreichte demſelben ein kleines, ele⸗ gantes Billet.

NRit fieberiſcher Heftigkeit riß Ernſt den Umſchlag ab und las folgende Zeilen:

Herr Ingenieur!

Wenn Ihre Zeit es Ihnen erlaubt, ſo kommen Sie nach Wettersnäs herüber. Ich habe eine Bitte an Sie.

Freundlich, Gabriella von Saint Sue.

Bekomme ich eine Antwort? fragte der Diener.

Melde deiner Gebieterin, daß ich kommen werde, antwortete Ernſt in etwas minder ruhigem Tone als gewöhnlich.

Einen Augenblick darauf ließ er ſeine Chaiſe an⸗ ſpannen und eilte nach Wettersnäs. Dort angelangt, wurde er ſogleich zu Gabriella geführt, welche ihn mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit empfing.

Ich danke Ihnen, Herr Welwort, daß Sie mei⸗ nem Wunſche augenblicklich nachkommen.

Sie forderte ihn auf, Platz zu nehmen und fuhr dann fort:

Sie ſagten mir einmal es war vor vielen Jahren, aber die Worte ſind mir im Gedächtniß ge⸗ blieben wenn Sie mir eine Freude bereiten oder zu meinem Glück beitragen könnten, würden Sie ſelbſt Ihr Leben zum Opfer bringen.

Ich erinnere mich dieſer Worte nur allzu wohl, gnädige Frau, und ich wiederhole ſie heute. Gern gäbe ich mein Leben für Ihr Glück, Ihre Freude, erwiederte Ernſt mit Wärme.