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„Gäbe Gott, daß ich Ernſt vergeſſen könnte,“ ſagte Alfhild, ihre Hände auf Clara's Schultern legend, und fuhr fort:„ich würde nichts Höheres wünſchen, als meinem Gefühl für Ernſt entfliehen zu können. Es gleicht einem brennenden und ver⸗ zehrenden Fieber, welches mich wie eine fire Idee zur Plage verfolgt, weil mir Alles ſagt, daß es nicht erwiedert wird. Ernſts Herz iſt nach einer andern Seite hin gefeſſelt, und was ihn zu mir hinzieht, iſt nur das Vergnügen, welches der Reiz meiner Perſon ihm gewährt, ſofern dieß ſeinem Schönheitsſinn ſchmeichelt. In dem Augenblick, wo dieſer Reiz lebhaft iſt, gleiten über ſeine Lippen einige Worte des Entzückens; aber in dem nächſten Monmente ſind ſeine Gedanken wieder weit, weit von
mir entfernt. Und dennoch, wie ganz anders war es in London; da— da liebte er mich, da war
ſeine Liebe in ſeinem ganzen Weſen zu erkennen; aber jetzt— jetzt iſt es anders. Niemals iſt ein Wort, aus des Herzens wahren und tiefen Gefühlen entſprungen, in dieſer lezten Zeit über ſeine Lippen ge⸗ gangen. Ach Clara, ſie waren recht bitter, dieſe Tage des täglichen Beiſammenſeins, da ich jeden Morgen erwartete, der begonnene Tag würde einen beſtimm⸗ ten Beweis mit ſich bringen, daß ich noch ſein Herz beſäße, und jeden Abend mich mehr und mehr über⸗ zeugt fühlte, daß er mich nicht liebte.“ Clara hatte Anfangs ihrer Schweſter mit be⸗
kümmerter Miene zugehört; aber ihre Züge nahmen,
obwohl die Augen noch ihren theilnehmenden Aus⸗ druck beibehielten, allmälig ihr gewöhnliches, friſches


