Teil eines Werkes 
Ein Opfer der Rache : Erzählung : 1. Band (1864)
Entstehung
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„Verſuche es,“ antwortete der Oberſt.

Birger begann nun an Gabriella's intellectueller Erziehung zu arbeiten, und zwar auf eine ganz an⸗ dere Weife, als dieß gewöhnlich geſchieht. Er machte Spaziergänge auf das Land mit ihr, ſprach von der Natur, und er war in der That ſo glücklich, einen Augenblick von Aufmerkſamkeit, oder einen Schim⸗ mer von Wißbegierde ihr abzugewinnen.

Aber leider war es eben nur ein Augenblick, und Nichts regte ſich von einem durchgreifenden und leb⸗ haften Verlangen, ſich der träumeriſchen Bekümmer⸗ niß, in welche ſie verſunken war, zu entziehen.

Nach Verfluß einiger Wochen hatte jedoch Bir⸗ ger bei ſeinen Bemühungen es ſo weit gebracht, doß Gabriella mit einem Schein von Vergnügen einige Volksweiſen ſpielte und ſang, mit Intereſſe auf das hörte, was er ihr vorlas oder mündlich mittheilte. Ja es konnte wohl geſchehen, daß ſie kam und ihn bat, mit ihr zu leſen oder zu ſingen.

„So waren zwei Monate vergangen, und Birger ſah mit inniger Zufriedenheit, daß die beinahe ſeelen⸗ loſen, bekümmerten Züge ein Gepräge von Leben erhalten hatten. Zuweilen traf es ſi wohl auch, daß ſie durch ein mattes Lächeln erhellt wurden. Täglich mit dieſem ſanften, kummervollen Kinde

zuſammen zu leben, ohne es zu lieben, war unmög⸗

lich. Auch hatte Birger mit ſeinem vollen, warmen und geſunden Herzen ſich feſt an ſeine junge Schwe⸗ ſter angeſchloſſen. Die befriedigenden Reſultate, wo⸗ von ſeine Bemühungen, die Schwermuth, welche wie ein ſchwarzer Schleier ihre Seele umhüllte, zu ver⸗ ſcheuchen, begleitet waren, erfreuten ihn dermaßen, daß